Mitteilung Nr. 34

Reinhard Frötschner (unter Mitarbeit von Eva Frantz und Christian Petersen)

Zwischen Bayern und Osteuropa. Migration und Migranten vom 18. Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit. Ein Inventar der relevanten Archivalien des Bayerischen Hauptstaatsarchivs München. (Juni 2000). -- 184 S. -- 30,00 DM

 
 

Inhaltsrefeat

 

Ausgangspunkt für die Erstellung dieses Inventars war das Vorhaben, einen ersten Überblick darüber zu gewinnen, über welche Archivalien zum Thema "Auswanderung aus Bayern nach Rußland" das Bayerische Hauptstaatsarchiv verfügt. Dennoch umfaßt das vorliegende Archivinventar nicht nur Archivalien, die unmittelbar für das genannte Thema relevant sind, sondern auch Archivalien, die den Behördenvorgang "Auswanderung" als solchen zum Gegenstand haben, die sich auf Auswanderung aus Bayern nach ganz Osteuropa beziehen und die für das Thema der Einwanderung aus Osteuropa nach Bayern von Bedeutung sind. Dies hat mehrere Ursachen. Zum einen ist es mit der mangelnden inhaltlichen Schärfe vieler Archivalientitel zu erklären, zum anderen liegt es in der thematischen Breite des in einzelnen Akten zusammengefaßten Materials begründet. Im Streben nach größtmöglicher Vollständigkeit hinsichtlich der für die Auswanderung aus Bayern nach Rußland relevanten Archivalien und nach Bewahrung sinnvoller in den Archivalientiteln vorgegebener Zusammenhänge, erfolgte somit die schrittweise Ausweitung des Themas des Inventars. Einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt das Inventar angesichts des Umfangs und der Komplexität der Archivbestände des Bayerischen Hauptstaatsarchivs selbstverständlich nicht, es dürfte aber ein recht hohes Maß an Vollständigkeit zumindest bezüglich der Archivalien erreichen, die für das ursprünglich vorgegebene Thema relevant sind.
Zur geographischen Eingrenzung des ins Inventar aufgenommenen Archivmaterials: Zu Bayern wurden dabei die Gebiete gezählt, die heute zum Freistaat Bayern gehören, und zwar jeweils erst von dem Zeitpunkt an, als sie Teil des Kurfürstentums bzw. Königreichs Bayern wurden. Allerdings wurden auch Archivalientitel in das Inventar aufgenommen, wenn auch nicht gezielt gesucht, die sich auf Gebiete beziehen, welche zwar nicht zum heutigen Bundesland Bayern gehören, die jedoch einst - wenn auch nur vorübergehend - Bestandteil des Kurfürstentums bzw. Königreichs Bayern waren, und zwar dann, wenn diese Territorien an das Gebiet des heutigen Bayern angrenzten. Ausdrücklich unberücksichtigt gelassen wurden dementsprechend Archivalien zum Thema Migration, die sich auf ehemals bayerische bzw. wittelsbachische Territorien beziehen, die weder zum heutigen Bundesland Bayern gehören, noch an das Gebiet des heutigen Bayern angrenzten (z.B. die Kurpfalz, die Herzogtümer Jülich und Berg, das Fürstentum Pfalz-Zweibrücken). Das gleiche gilt für Archivalien zum Thema Migration, die sich auf Gebiete beziehen, die zwar zum heutigen Bundesland Bayern gehören, die aber zum Zeitpunkt des Anfalls der Archivalien nicht Teil des Kurfürstentums bzw. Königreichs Bayern waren. Unter Osteuropa wurden neben dem Russischen Reich bzw. der Sowjetunion alle diejenigen Länder und Gebiete mit Ausnahme Griechenlands verstanden, die heute unter die Begriffe Ostmitteleuropa und Südosteuropa fallen. Dabei wurde keine Rücksicht darauf genommen, ob diese Länder und Gebiete zu dem Zeitpunkt, als die betreffenden Archivalien anfielen, zum Königreich Preußen, zum Habsburgerreich oder zum Osmanischen Reich, also zu einer der drei Mächte gehörten, deren jeweiliges politisches Zentrum nicht in Osteuropa lag.
Zur Bedeutung des Begriffs Migration: Er wurde äußerst weit gefaßt, und so geht es also nicht nur um Aus- und Einwanderung im Sinne einer endgültigen Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland, sondern um jede Form des auch nur vorübergehenden Aufenthalts von Menschen aus Bayern in Osteuropa und umgekehrt. Entsprechend dieses umfassenden Verständnisses von Migration wurden in das Inventar nicht nur Archivalientitel aufgenommen, die einfach über die Zahl der Aus- und Einwanderungen und die davon betroffenen Personen Auskunft geben, sondern auch Archivalientitel, die Informationen über alle mit Fragen der Migration verbundenen Behördenvorgänge wie gesetzliche Regelungen und zwischenstaatliche Vereinbarungen versprechen. Außerdem fanden diejenigen Archivalientitel im Inventar Berücksichtigung, die das Schicksal der Menschen im Ausland im weitesten Sinne, also zum Beispiel ihre Aktivitäten und ihre Behandlung durch die jeweiligen ausländischen Behörden zum Inhalt haben.
Absicht des Verfassers des Inventars ist es, dem Benutzer des Inventars weitere Recherchen zu erleichtern und überflüssige zu ersparen, weshalb bei der Erstellung des Inventars darauf geachtet wurde, transparent zu machen, auf welchem Wege die im Inventar enthaltenen Archivalientitel in den verschiedenen Repertorien aufgefunden wurden. Zu diesem Zweck wurden beispielsweise die Archivalientitel nicht einfach nur mit der jeweilig aktuell gültigen Bestellsignatur in numerischer Reihenfolge aufgelistet, sondern gegebenenfalls den Sach- und Ortsbegriffen zugeordnet, unter welchen sie in den Repertorien verzeichnet sind. Aus dem gleichen Grund wurden Archivalientitel aufgeführt, die dem Repertorium zufolge zwar nicht mehr existieren, die aber für den Benutzer des Inventars von Interesse sein könnten. Um für den Benutzer nachvollziehbar zu machen, welche für das Thema des Inventars relevanten Akten im Bayerischen Hauptstaatsarchiv überhaupt zu erwarten sind und welche dagegen eher in den Staatsarchiven gesucht werden müssen, wird im Einleitungsteil der Behördenvorgang „Auswanderung“ aus verwaltungsgeschichtlicher Perspektive umrissen. In diesem Zusammenhang werden dem Benutzer auch gleich die bei der gezielten Durchsicht der Repertorien benutzten Suchbegriffe in ihrem verwaltungsgeschichtlichen Kontext vorgestellt.