Mitteilung Nr. 34Reinhard Frötschner (unter Mitarbeit von Eva Frantz und Christian Petersen) |
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Ausgangspunkt für die Erstellung dieses Inventars war das Vorhaben,
einen ersten Überblick darüber zu gewinnen, über welche Archivalien zum
Thema "Auswanderung aus Bayern nach Rußland" das Bayerische Hauptstaatsarchiv
verfügt. Dennoch umfaßt das vorliegende Archivinventar nicht nur Archivalien,
die unmittelbar für das genannte Thema relevant sind, sondern auch Archivalien,
die den Behördenvorgang "Auswanderung" als solchen zum Gegenstand haben,
die sich auf Auswanderung aus Bayern nach ganz Osteuropa beziehen und die
für das Thema der Einwanderung aus Osteuropa nach Bayern von Bedeutung
sind. Dies hat mehrere Ursachen. Zum einen ist es mit der mangelnden inhaltlichen
Schärfe vieler Archivalientitel zu erklären, zum anderen liegt es in der
thematischen Breite des in einzelnen Akten zusammengefaßten Materials begründet.
Im Streben nach größtmöglicher Vollständigkeit hinsichtlich der für die
Auswanderung aus Bayern nach Rußland relevanten Archivalien und nach Bewahrung
sinnvoller in den Archivalientiteln vorgegebener Zusammenhänge, erfolgte
somit die schrittweise Ausweitung des Themas des Inventars. Einen Anspruch
auf Vollständigkeit erhebt das Inventar angesichts des Umfangs und der
Komplexität der Archivbestände des Bayerischen Hauptstaatsarchivs selbstverständlich
nicht, es dürfte aber ein recht hohes Maß an Vollständigkeit zumindest
bezüglich der Archivalien erreichen, die für das ursprünglich vorgegebene
Thema relevant sind.
Zur geographischen Eingrenzung des ins Inventar aufgenommenen Archivmaterials:
Zu Bayern wurden dabei die Gebiete gezählt, die heute zum Freistaat Bayern
gehören, und zwar jeweils erst von dem Zeitpunkt an, als sie Teil des Kurfürstentums
bzw. Königreichs Bayern wurden. Allerdings wurden auch Archivalientitel
in das Inventar aufgenommen, wenn auch nicht gezielt gesucht, die sich
auf Gebiete beziehen, welche zwar nicht zum heutigen Bundesland Bayern
gehören, die jedoch einst - wenn auch nur vorübergehend - Bestandteil des
Kurfürstentums bzw. Königreichs Bayern waren, und zwar dann, wenn diese
Territorien an das Gebiet des heutigen Bayern angrenzten. Ausdrücklich
unberücksichtigt gelassen wurden dementsprechend Archivalien zum Thema
Migration, die sich auf ehemals bayerische bzw. wittelsbachische Territorien
beziehen, die weder zum heutigen Bundesland Bayern gehören, noch an das
Gebiet des heutigen Bayern angrenzten (z.B. die Kurpfalz, die Herzogtümer
Jülich und Berg, das Fürstentum Pfalz-Zweibrücken). Das gleiche gilt für
Archivalien zum Thema Migration, die sich auf Gebiete beziehen, die zwar
zum heutigen Bundesland Bayern gehören, die aber zum Zeitpunkt des Anfalls
der Archivalien nicht Teil des Kurfürstentums bzw. Königreichs Bayern waren.
Unter Osteuropa wurden neben dem Russischen Reich bzw. der Sowjetunion
alle diejenigen Länder und Gebiete mit Ausnahme Griechenlands verstanden,
die heute unter die Begriffe Ostmitteleuropa und Südosteuropa fallen. Dabei
wurde keine Rücksicht darauf genommen, ob diese Länder und Gebiete zu dem
Zeitpunkt, als die betreffenden Archivalien anfielen, zum Königreich Preußen,
zum Habsburgerreich oder zum Osmanischen Reich, also zu einer der drei
Mächte gehörten, deren jeweiliges politisches Zentrum nicht in Osteuropa
lag.
Zur Bedeutung des Begriffs Migration: Er wurde äußerst weit gefaßt,
und so geht es also nicht nur um Aus- und Einwanderung im Sinne einer endgültigen
Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland, sondern um jede Form des auch nur
vorübergehenden Aufenthalts von Menschen aus Bayern in Osteuropa und umgekehrt.
Entsprechend dieses umfassenden Verständnisses von Migration wurden in
das Inventar nicht nur Archivalientitel aufgenommen, die einfach über die
Zahl der Aus- und Einwanderungen und die davon betroffenen Personen Auskunft
geben, sondern auch Archivalientitel, die Informationen über alle mit Fragen
der Migration verbundenen Behördenvorgänge wie gesetzliche Regelungen und
zwischenstaatliche Vereinbarungen versprechen. Außerdem fanden diejenigen
Archivalientitel im Inventar Berücksichtigung, die das Schicksal der Menschen
im Ausland im weitesten Sinne, also zum Beispiel ihre Aktivitäten und ihre
Behandlung durch die jeweiligen ausländischen Behörden zum Inhalt haben.
Absicht des Verfassers des Inventars ist es, dem Benutzer des Inventars
weitere Recherchen zu erleichtern und überflüssige zu ersparen, weshalb
bei der Erstellung des Inventars darauf geachtet wurde, transparent zu
machen, auf welchem Wege die im Inventar enthaltenen Archivalientitel in
den verschiedenen Repertorien aufgefunden wurden. Zu diesem Zweck wurden
beispielsweise die Archivalientitel nicht einfach nur mit der jeweilig
aktuell gültigen Bestellsignatur in numerischer Reihenfolge aufgelistet,
sondern gegebenenfalls den Sach- und Ortsbegriffen zugeordnet, unter welchen
sie in den Repertorien verzeichnet sind. Aus dem gleichen Grund wurden
Archivalientitel aufgeführt, die dem Repertorium zufolge zwar nicht mehr
existieren, die aber für den Benutzer des Inventars von Interesse sein
könnten. Um für den Benutzer nachvollziehbar zu machen, welche für das
Thema des Inventars relevanten Akten im Bayerischen Hauptstaatsarchiv überhaupt
zu erwarten sind und welche dagegen eher in den Staatsarchiven gesucht
werden müssen, wird im Einleitungsteil der Behördenvorgang „Auswanderung“
aus verwaltungsgeschichtlicher Perspektive umrissen. In diesem Zusammenhang
werden dem Benutzer auch gleich die bei der gezielten Durchsicht der Repertorien
benutzten Suchbegriffe in ihrem verwaltungsgeschichtlichen Kontext vorgestellt.