Jahrbücher für Geschichte Osteuropas
Ausgabe: 59 (2011) H. 3
Verfasst von: Mathias Niendorf
Andrej M. Januškevič: Vjalikae Knjastva Litoǔskae i Infljanckaja vajna 1558–1570 hh. Manahrafija [Das Großfürstentum Litauen und der Livländische Krieg 1558–1570. Monographie]. Minsk: Vydav. Medisont, 2007. 353 S., Tab., 1 Kte. ISBN: 978-985-6530-49-7.
Der Titel ist Programm: Er markiert bereits eine Distanz zu sowjetischen Traditionen, wurde der Livländische oder erste Nordische Krieg (1558–1583) nach russischem Vorbild doch in Weißrussland lange Zeit als „Livonskaja vajna“ bezeichnet.
Inhaltlich geht es dem Minsker Autor um den Einfluss jenes Krieges auf Staat, Gesellschaft und Politik des Großfürstentums Litauen bis zur Atempause des 1570 für drei Jahre mit Moskau geschlossenen Waffenstillstands. Er kann sich dabei auf eine umfassende Kenntnis der vielsprachigen Forschungsliteratur stützen; zudem liegen seiner Untersuchung ungedruckte Quellen nicht nur aus Weißrussland, sondern auch aus Polen und Russland zugrunde. In der Darstellung folgt auf einen einleitenden historiographischen Überblick eine Nachzeichnung der militärischen und diplomatischen Verwicklungen, der sich ein Kapitel über die Streitmacht des Großfürstentums anschließt. Der nächste Hauptteil gilt den materiellen Ressourcen, während das vierte und letzte Kapitel zusammenfassend den Einfluss des Krieges auf die innere Verfassung Litauens untersucht.
Die Untersuchung bestätigt mit manchen neuen Erkenntnissen im Detail, dass das Großfürstentum auf Dauer weder militärisch noch finanziell den Herausforderungen des Krieges gewachsen war und sich die als Realunion in Lublin 1569 vollzogene Anlehnung an Polen nicht zuletzt aus diesem Bewusstsein der Schwäche erklärt. Hervorzuheben ist die differenzierte Erörterung eines traditionell umstrittenen, ideologisch aufgeladenen Themas: des Verhaltens der ostslavischen und orthodoxen Bevölkerung im Nordosten des Großfürstentums, die sich weder konfessionell noch sprachlich merklich von ihren östlichen Nachbarn abhob (S. 316–324). Der Verfasser zeichnet das Spektrum der Reaktionen im Kriegsgebiet nach, das von spontanen Initiativen bei Verteidigungsmaßnahmen bis zu Indifferenz reichte. Auch wenn sich Einzelfälle moskaufreundlicher Einstellungen nachweisen lassen, waren diese doch nicht repräsentativ, so wie umgekehrt die Besatzer aus dem Osten den neuen Untertanen mit Misstrauen begegneten und in ihnen keinesfalls natürliche Bundesgenossen sahen.
Die solide gearbeitete Studie kann insofern als Beleg dafür gelten, dass sich in Weißrussland auch unter erschwerten Bedingungen international anschlussfähige, unaufgeregte Forschung behauptet.
Mathias Niendorf, Greifswald
Zitierweise: Mathias Niendorf über: Andrej M. Januškevič Vjalikae Knjastva Litoǔskae i Infljanckaja vajna 1558–1570 hh. Manahrafija [Das Großfürstentum Litauen und der Livländische Krieg 1558–1570. Monographie]. Vydav. Medisont Minsk 2007. ISBN: 978-985-6530-49-7, http://www.dokumente.ios-regensburg.de/JGO/Rez/Niendorf_Januskevic_Vjalikae_Knjastva_Litouskae.html (Datum des Seitenbesuchs)
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